Meiden Sie die Poesie

Andrej Wosnessenski gedenkend

 

Belegen Sie mit Zaster Ihre Stullen,

Kriechen Sie vor Führungsnullen,

Parken Sie Ihr Resthirn im Tresor,

Leasen Sie dem Zeitgeist Mund & Ohr

- nur um Eines bitt’ ich Sie:

  Verschonen Sie die Poesie!

 

Küssen Sie Popstargesäße,

Belecken Sie das Ihn’n Gemäße,

Suchen Sie im Internet

Partner für Ihr Singlebett,

Suchen Sie im Glotzophon

Nach Gedanken ohne Hohn,

Lassen Sie die Gier nicht rosten,

Hangeln Sie nach jedem Posten

- nur um Eines bitt’ ich Sie:

  Finger weg von Poesie!

 

Meiden Sie Verstand, Gedanken,

Suchen Sie Ihr Glück in Banken,

Lassen Sie Journale für sich denken,

Lassen Sie sich Träume schenken,

Plappern Sie von früh bis spät

In Ihr Nokia-Gerät,

Und mit Ihrem Luxuswagen

Soll’n Sie Mensch & Tier erjagen

- nur um eines bitt’ ich Sie:

  Meiden Sie die Poesie!

 

Surfen Sie auf Mainstreamgülle,

Baden Sie in Kaufrauschfülle,

Leugnen Sie den Gott im Himmel,

Betend vor dem Modefimmel,

Kino, TV, Internet,

Wälzend sich im Wohlstandsfett,

Jeder Kot zu Sinn erhoben,

Mit der Dummheit fest verwoben,

Schrecken Sie vor keiner Gier,

Denkend Ich und redend Wir.

- Alles dies, doch eines nie:

  Schritte Richtung Poesie!

 

Verraten Sie, was Sie auch wissen,

Denunzieren Sie und hissen

Stolz den Gartenzwergewimpel,

Seien Spitzel, Denunziant & Gimpel,

Karrierist, selbsternannter Polizist …

Kurz: ein Schwein, das Schweine frisst.

Was immer es auch sei:

Freie Bahn  für Lumperei!

- Nur um eines bitt’ ich Sie:

  Pfoten weg von Poesie!

 

Juni 2010